Bisher steht die IAEA für die Förderung und Kontrolle der friedlichen Nutzung der Atomenergie, doch künftig könnte die Internationale Atombehörde auch die nukleare Abrüstung überwachen.
Das hat IAEA-Chef Yukiya Amano am Dienstag vorgeschlagen. "Wir haben die Mittel und Möglichkeiten, um eine Rolle in der Überprüfung der nuklearen Abrüstung zu spielen", sagte der 62-jährige Amano der Nachrichtenagentur dpa in seinem ersten Interview mit einem internationalen Medium. Der Japaner hatte vergangenen Dezember die Führung der UN-Behörde mit Sitz in Wien von dem ägyptischen Diplomaten und Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei übernommen.
Unter welchem internationalen Abkommen die IAEA eine solche Rolle spielen könnte, sei aber noch unklar und müsse verhandelt werden, sagte Amano. Das neue START-Abkommen zur Abrüstung, auf das sich die USA und Russland vergangenen Freitag geeinigt hatten, begrüßte er als sehr guten Schritt in die richtige Richtung. "START wird Atomwaffen nicht beseitigen, aber es wird strategische Nuklearwaffen reduzieren, und der Weg ist beruhigend", sagte der oberste Atomwächter. Er hoffe, dass nun weitere Schritte in der nuklearen Abrüstung folgen werden.
"Schwieriges" Verhältnis mit Iran
Das Verhältnis zwischen seiner Behörde und dem Iran bezeichnete der IAEA-Chef inzwischen als "schwierig". "Momentan wird ein Teil des Inspektionsabkommens vom Iran nicht umgesetzt", sagte Amano. Weder zu den angekündigten zehn neuen Urananreicherungsanlagen noch zu vermuteten möglichen Arbeiten zum Bau einer Atomwaffe habe es aus Teheran in den vergangenen Wochen Informationen gegeben: "Bisher habe ich nicht die Antwort, auf die ich hoffe".
Mögliche neue Sanktionen gegen den Iran werden nach Ansicht Amanos die Arbeit der Atomwächter in dem islamischen Land kurzfristig erschweren. Der Iran wolle nicht unter Druck reagieren und habe sich in der Vergangenheit auch dementsprechend verhalten. Welche Auswirkungen internationale Strafmaßnahmen aber langfristig haben werden, wollte der oberste Atomwächter nicht einschätzen.
Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates diskutieren momentan über mögliche neue Sanktionen gegen den Iran, weil das Land unter anderem nicht ausreichend mit der IAEA kooperiert und es Zweifel am friedlichen Zweck seines Atomprogramms gibt. Auch die Außenminister der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G8) beraten in Kanada seit Montagabend auf einer zweitägigen Konferenz über eine härtere Gangart gegenüber Teheran. In der Vergangenheit hatte der Iran auf Sanktionen stets mit Drohungen und einer Einschränkung der Zusammenarbeit mit der IAEA reagiert.
Nukleare Renaissance
Doch nicht nur in dem islamischen Land, auch in allen anderen IAEA-Mitgliedsstaaten mit Atomtechnik kontrollieren Atomwächter deren friedliche Verwendung. In Zukunft wird dabei auf die UN-Behörde noch deutlich mehr Arbeit zukommen, Amano spricht von einer "nuklearen Renaissance": Mehr als 60 Länder wollen Nuklearenergie einführen, bis 2030 könnte in mehr als 10 Staaten erstmals ein Atomkraftwerk ans Netz gehen. Dazu kommen noch Länder wie Deutschland oder Italien, die über Laufzeitverlängerungen oder den Rückzug von einem beschlossenen Atomausstieg diskutieren.
Laufzeiten von bis zu 60 Jahren in gut überwachten Meilern sind dabei für Amano unproblematisch. Die Prüfaufträge der schwarz-gelben Bundesregierung, die Laufzeiten einzelner Nuklearanlagen in Deutschland auf bis zu 60 Jahre zu verdoppeln, hatten vergangene Woche bei der Opposition und bei Umweltschützern Entsetzen ausgelöst. Vor allem enorme Sicherheitsrisiken werden befürchtet.
Für den IAEA-Chef ist das aber unbegründet: "Anfangs dachten wir, dass die Lebenszeit eines Atomkraftwerks bei rund 40 Jahren liegt, aber zusammen mit dem technologischen Fortschritt liegt die echte Lebenszeit sehr weit darüber". Mit dem heutigen Wissen könne man die Laufzeit eines Reaktors gefahrlos verlängern. Vorher müsse aber genau der Zustand der Anlage geprüft werden, da die Laufzeit auch vom Typ des Atomkraftwerks und dessen Wartung abhänge.
Staaten wie Deutschland bot Amano dabei die Hilfe seiner Behörde an: "Wir haben hier eine sehr starke Sicherheitsabteilung, und sie kann guten Rat geben". Auch aus ökonomischer und ökologischer Sicht mache eine Laufzeitverlängerung Sinn: "Es ist viel besser das bestehende Werk weiter zu benutzen als enorme Mittel und Ressourcen für den Bau eines neuen zu aufzuwenden". Natürlich liege die politische Entscheidung über eine Laufzeitverlängerung aber bei dem jeweiligen IAEA-Mitgliedsland, so der oberste Atomwächter.
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